Namen und Hintergründe
Namen und Hintergründe
Auf Initiative der ADS, der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, führen fünf deutsche Großunternehmen die anonyme Bewerbung ein. Gesetzlich ist dies schon lange keine Vorschrift für den Bewerber mehr! Das heißt, aus den Bewerbungsunterlagen geht weder der Name noch das Alter, noch das Geschlecht, noch der Familienstand des Bewerbers hervor. Es gibt natürlich auch kein Bild – ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte! So sollen Diskriminierungen vermieden werden.
Ich weiß aus Erfahrung, dass es geht! Aus einem Michail wird schnell in einer Bewerbung ein Michael. Aus Angaben wie »machte 1951 das Abitur« oder »besuchte das Hildegard-von-Bingen-Mädchengymnasium« oder »seit zwanzig Jahren in ungekündigter Stellung« können ja auch jederzeit alters- oder geschlechtsspezifische Diskriminierungen abgeleitet werden. Am besten schickt man einfach nur ein Fax mit dem Text: »Ich bin gut. Ich will die Stelle. Beste Grüße! N. N., postlagernd«.
Eine Unterdisziplin der Diskriminierungsforschung ist die Namensdiskriminierungsforschung. Die Oldenburger Erziehungswissenschaftlerin Astrid Kaiser hat herausgefunden, dass Kinder mit den Vornamen Kevin, Justin, Chantal oder Mandy am Ende ihrer Schulkarriere schlechtere Bildungsabschlüsse aufweisen als Kinder, die Jakob, Lukas, Sophie oder Nele heißen. Sie führt dies auf Namensdiskriminierung zurück. Der Name Kevin lasse auf eine Herkunft aus der Unterschicht schließen.
Im Interesse der Gerechtigkeit wäre es folglich zu wünschen, dass alle Kinder den gleichen Namen tragen. In Korea heißen ja auch fast alle Kim sowie Singh in einigen religiösen Kreisen ein allgemein gültiger Nachname zu sein scheint. Dies würde aber wieder andere Probleme hervorrufen, zum Beispiel bei der Rückgabe von Klassenarbeiten. Man könnte, wie in den Bewerbungen, die Namen in den Schulunterlagen schwärzen. Man könnte den Kindern einfach Nummern geben, die sie an der Kleidung tragen, was allerdings ungute politische Erinnerungen hervorruft. Als praktikabler Weg erscheint Astrid Kaiser, dass Kinder, die Kevin heißen, ihre Lehrerin direkt ansprechen und sagen: »Ich heiße Kevin. Mein Name weckt bei Ihnen möglicherweise negative Assoziationen. Bitte beobachten Sie mich trotzdem unvoreingenommen.«
Was den Namen Kevin betrifft, gibt es sogar eine eigene Unterunterdisziplin, die Kevinforschung. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die Ursprünge der Beliebtheit dieses Namens nicht etwa in Ostdeutschland liegen, sondern in Rheinland-Pfalz. 1998 lebten die meisten Kevins in der Pfalz und im Rhein-Main-Gebiet. Womöglich ist die Ostwanderung des Namens Kevin auf die zeitweilige Beliebtheit des Pfälzers Helmut Kohl im Osten zurückzuführen.
Eine gute Aufzeichnung dazu ist zu finden unter http://www.beliebte-vornamen.de/4981-kevin.htm
Mein Vorname findet leider eine sehr sehr durchschnittliche Bewertung der Eigenschaften: http://www.onomastik.com/Vornamen-Lexikon/name_201_Christian.html - Vielleicht sollte ich froh sein, dass typische Vornamen selten mit einem Voruteil belegt werden. Doch danach bin ich mehr lustig als ernst, eher intelligent als nicht intelligent usw.
Ein anderer Forscher, der Paartherapeut Clemens Beöthy, untersucht den Einfluss der Namen auf das Paarungsverhalten. In seinem Werk" Heirate niemals einen Udo" weist er nach, dass Männer, die Udo heißen, Bindungsprobleme haben, sie sind flatterhaft wie Udo Jürgens und Udo Lindenberg. Auch Susannes sind in der Bindungskonstanz problematisch. An einem Wolfgang dagegen hat seine Partnerin in der Regel lange Freude. Sogar Wolfgang Joop war viele Jahre verheiratet.
Astrid Kaiser hat ihre Söhne Arvid und Gerrit genannt. Als sie heiratete, hat sie mit ihrem Partner einen Namensvertrag geschlossen, der Partner musste ihr das Namenswahlrecht abtreten.
Was mich betrifft, so ziehe ich aus der Beschäftigung mit Antidiskriminierungs- und Namensforschung folgenden Schluss: Die viel gescholtene These des Politikers Roland Koch, es gebe auch in den Etats für Wissenschaft und Forschung Einsparpotenziale, war nicht ganz falsch.
Inspiriert von: Pigor und Eichhorn - Kevins
P.S.: Ja man könnte fast meinen "facebook" hätte mich so in Beschlag genommen, dass ich nicht mehr zum Schreiben kam... so war es aber nicht!